Piz Palü 3.901m

Eine Gipfelüberschreitung im Berninagebirge stand auf meinem Terminkalender und laut Wettervorhersage sollten die Verhältnisse perfekt sein. Die Tour wurde vom AV Bludenz geführt. Ich hatte bereits einen Besteigungsversuch hinter mir, am 25.08.2007 wollten mein Vater und ich über den Gletscherbruch (Normalweg) aufsteigen und über denselben Weg wieder zurück zur Diavolezza Bergstation. Allerdings sind wir damals zu spät gestartet und waren in Folge zu langsam, weshalb wir kurz unterhalb des Ostsattels umkehrten. Doch diesmal sollte es anders laufen.

Veröffentlicht: 12. Sep. 2010

Kategorie: Hochtouren

Daten

Datum Sonntag, 12. September 2010
Gebiet Bernina - Schweiz
Höhenmeter 1.200m
Schwierigkeit Kletterstellen bis II, Gratüberschreitung stellenweise exponiert
Aufstieg Von der Diavolezza-Hütte zum Vadret Pers, Querung des Gletschers bis zum Refugi dals Chamuotsch, weiter über den Fortezza-Grat zur Fuorcla Bellavista. Über den Spinas-Grat zum Piz Spinas, nun folgt der Aufstieg zum Westgipfel und weiter zum Ostgipfel.
Abstieg Vom Ostgipfel über die Ostschulter zum Gletscherbruch, weiter zum Fuorcla Trovat und dem Weg folgend zur Diavolezza-Hütte zurück.
Angetroffene Verhältnisse Guter Firn, perfekte Verhältnisse
Tourengänger Wolfgang, Thomas und andere

Beschreibung

Am Freitag früh morgens wurden wir von unserem Tourenführer Wolfi begrüßt, danach wurde das Gepäck verstaut und es ging mit dem Auto über den Julierpass nach Pontresina und weiter in Richtung Bernina-Pass, wo sich kurz vor dem Pass die Talstation der Diavolezza-Bahn (2.093m) befindet. Wir nutzten die kraftsparende Variante, der alternative Anstieg würde knapp drei Stunden für ungefähr 900 Höhenmeter benötigen. Noch während der Bergfahrt konnten wir unsere Blicke bald auf die atemberaubenden Gletscherriesen der Bernina-Gruppe werfen, man fühlt sich richtig klein.

Die Aussicht wurde allerdings immer wieder von einigen durchziehenden Haufenwolken erschwert, das Wetter präsentierte sich aber als freundlich, wenn auch etwas kühl. Wir bezogen unsere vorreservierten Zimmer (vier Betten pro Zimmer) und machten uns sogleich für den nun anstehenden Klettersteig auf den naheliegenden Piz Trovat (3.146m) abmarschbereit. Der Pfad dahin ist gut markiert und dauert nur wenige Minuten, und schon befanden wir uns in der Wand. Der Klettersteig ist technisch wenig schwierig (B/C) und wurde durch viele Tritthilfen entschärft, das Highlight folgte im Mittelteil in Form einer etwa 20 Meter langen Hängebrücke mit einer unglaublichen Aussicht! Wenig später befanden wir uns auf dem Gipfel des Piz Trovat und genossen die Aussicht, bevor es über den markierten Weg über grobes Schottergestein steil zurück zur Diavolezza ging.

Am nächsten Morgen lockte uns das Frühstücksbuffet bereits sehr früh aus den Federn und so brachen wir noch im Dunkeln auf. Wir stiegen zum Vadret Pers (2.757m) ab, überquerten den Gletscher unterhalb des Piz Palü in süd-südwestlicher Richtung bis unter die Felsen des Refugi dals Chamuotsch, wo wir dem Gletscher erst südlich folgten und dann in westlicher Richtung über Geröll und einzelne Schneefelder bis zum Aufschwung des Fortezza-Grats aufstiegen. Die erste Felsstufe kann östlich umgangen werden, wir wählten die schwierigere Variante direkt über den Grat, wo uns einige Kletterstellen (bis II) erwarteten. Nach dieser ersten Kletterpassage ging es über Firn hoch zur Fuorcla Bellavista, wo uns ein eisig kalter Südwind empfing. Hier ging es über den luftigen und teils ziemlich exponierten Spinas-Grat (bis II) zum namensgebenden Gipfel, dem Piz Spinas (3.823m). Hier musste über eine weitere Kletterstelle (II) einige Meter zum Sattel zwischen Piz Spinas und dem Westgipfel unseres eigentlichen Ziels abgeklettert werden. Es folgte ein kurzer schmaler Firngrat bis zum breiten Gipfelaufschwung, von wo es nur noch wenige Minuten bis zum Gipfel sind. Hier hatten wir dann etwas Zeit für das beeindruckende Panorama, bis es über den wiederum recht luftigen Firngrat zum Ostgipfel (etwas niedriger) weiterging. Vom Ostgipfel stiegen wir über den bis zu 45 Grad steilen Firnhang bis fast zum Gratbuckel (3.726m) ab, von wo die Spur in nördlicher Richtung zum spaltenreichen Gletscherbruch führte. Die Spur durch den Gletscherbruch ändert sich oft und war deshalb völlig anders wie damals, unter anderem wartete eine etwa zwanzig Meter lange Schneebrüche auf die Überquerung und direkt daneben sind metertiefe und -breite Spalten. Ein unglaubliches Gefühl!

Nach dieser Herausforderung stellte sich der weitere Weg als leicht heraus, erst noch etwas steiler ging es bald flach bis zum Fuorcla Trovat, wo etwa 100 Höhenmeter in steilem Schutt aufgestiegen werden mussten. Danach führte der Weg an der Ostwand des Piz Trovat zur Diavolezza zurück. Einer erholsamen und längeren Nacht stand nun nichts mehr im Wege und wir genossen am Sonntag das ausgiebige Frühstück und traten frisch gestärkt den Rückweg ins Ländle an.

Meinen Dank an dieser Stelle an Wolfi, die Organisation war absolut perfekt und die Tour genial! Danke!

Bilder

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